Lancet Klimafreundliches Investment Ärzte-Pensionen

 

Lancet-Kommentar veröffentlicht zum (klimafreundlichen?) Investment deutscher Ärzte-Pensionen

 

Prof. Dr. Gerrit Hohendorf beschäftigt sich gemeinsam mit den anderen Autoren PD Dr. med. Christian Schulz, Prof. Dr. Klaus-Michael Ahrend, Prof. Dr. Gerhard Schneider, Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber und Prof. Dr. Reinhard Busse in dem wissenschaftlichen Artikel „Medical ethics in the Anthropocene: how are €100 billion of German physicians’ pension funds invested?“ mit der Klimaverträglichkeit der Anlagestrategien rund um die Pensionskassen deutscher Ärzte.

In The Lancet, einer der renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften, berichten die Autoren von ihrer Studie rund um die Frage, inwiefern Kriterien der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit (ESG) bei Investitionsentscheidungen bezüglich der Altersvorsorge deutscher Ärzte berücksichtigt werden. Außerdem wollten sie den Anteil des Kapitals ermitteln, der nach ESG-Kriterien angelegt wird. Mit Unterstützung der GLS Bank (Bochum, Dtl.) versendeten Sie einen 18 Items umfassenden Fragebogen an alle Bei- und Aufsichtsräte der 18 deutschen Ärztepensionskassen. Zusätzlich untersuchten sie jeweils zur Einordnung der verschiedenen Investmentklassen die jüngsten Geschäftsberichte.

Kein Bei- oder Aufsichtsratsmitglied hat den Fragebogen beantwortet und lediglich 13 der 18 Pensionskassen reagierten überhaupt auf die Anfrage mit unterschiedlichsten Erklärung für ihre Intransparenz. Diese reichten von der generellen Verweigerung der Teilnahme an Umfragen über den hohen Verwaltungsaufwand bis hin zu der Nichtanwendbarkeit des spezifischen Fragebogens auf ihre individuelle Situation. Die 13 auskunftsbereiten ärztlichen Pensionskassen verwiesen darüber hinaus alle darauf Aspekte der Nachhaltigkeit bei ihren Investitionen zu berücksichtigen, wobei sie den Begriff sehr unterschiedlich definieren und ESG-Kriterien nicht systematisch anwenden. Fast alle investieren zumindest einen kleinen Anteil ihres Kapitals in erneuerbare Energien mit erwarteter zunehmender Tendenz in den kommenden Jahren. Drei der Pensionsfonds definierten die Rendite als einen Aspekt der Nachhaltigkeit. Auf der Grundlage der Informationen aus den Geschäftsberichten schätzen die Autoren, dass die Kassen über Kapitalreserven von etwa 100 Milliarden Euro verfügen.

Die Autoren äußern ihre Enttäuschung angesichts der mangelnden Kooperations- und Auskunftsbereitschaft der ärztlichen Pensionskassen. Viele Vorstände scheinen der Meinung zu sein, dass die Berücksichtigung von ESG-Kriterien die Rendite gefährden könnte, obwohl seit vielen Jahren bewiesen ist, dass die Berücksichtigung von ESG-Kriterien die wirtschaftlichen Interessen nicht beeinträchtigt, sondern im Gegenteil eine Voraussetzung für eine wirtschaftlich nachhaltige Investition ist. Millar und Kollegen haben eine Reihe von Anlagegrundsätzen veröffentlicht, die zur Eindämmung des Klimawandels beitragen können.

Der Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels der ärztlichen Pensionskassen könnte und sollte wesentlich größer sein, hat sich doch gerade auch die Berufsgruppe der Ärzte in den Verhaltenskodizes der medizinischen Berufsverbände dem Umweltschutz und seiner Bedeutung für die menschliche Gesundheit verpflichtet. Auch die deutschen Ärzte selbst sollten hierauf mehr Einfluss nehmen, handelt es sich doch letztlich bei den ärztlichen Versorgungswerken um demokratisch gewählte Gremien.

Ethische Werte sollten hier nicht verhandelbar sein oder hinter einer vermeintlich höheren Rendite zurückstehen müssen. Schließlich sind Ärzte eine wichtige Stimme in jeder Gesellschaft. Daher sollten sie nachhaltige Anlagestrategien nach ESG-Kriterien im Gesundheitssektor, in der Politik und bei Patienten zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen als selbstverständlich fördern, wobei zu bedenken ist, dass solche Strategien wirtschaftliche Gewinne durchaus nicht ausschließen.

 

Bild: iStock.