Gabriele Zerbis De cautelis medicorum opus perutile (1495).

Gabriele Zerbi, De cautelis medicorum opus perutile (1495). Zur Genese und Entwicklung des Achtsamkeitstopos in der medizinischen Ethik

DFG GA 1086/3-2

Laufzeit: 06/2009-06/2012

Projektleitung: Prof. Dr. phil. Dr. rer. med. habil. Mariacarla Gadebusch Bondio
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Prof. Dr. phil. Kay Peter Jankrift
Wissenschaftliche Hilfskraft: Manuel Förg, M.A.


Der Begriff ‚cautela‘ steht für die höchst aufmerksame Haltung, die der Arzt in risikobehafteten Situationen bewusst einzunehmen hat. In dieser Bedeutung wurde der Terminus durch den Traktat ‚De cautelis medicorum (1495) von Gabriele Zerbi kanonisiert, obwohl sich bereits Elemente einer medizinischen Diskussion über die cautela im 14. Jh. finden. An der Schnittstelle zwischen Mittelalter und Humanismus markiert Zerbi gleichwohl eine Wende in der medizinischen Ethik. Das Quellencorpus, auf dem seine bedeutsame, dennoch unedierte Schrift basiert, ist arabisch geprägt, wobei auch traditionelle Elemente zu verzeichnen sind, die ihrerseits mit christlichem Gedankengut interagieren. Das gängige Bild einer humanistischen Medizin, die ihre Moral nur anhand des Hippokratischen Eides entwickelt, lässt sich angesichts von Zerbis Werk nicht länger halten. Deshalb soll neben der Edition, Übersetzung und Kommentierung von Zerbis auflagenstarker Schrift die cautela-Tradition im Vor- und Nachlauf zu Zerbi quellenkritisch untersucht werden. Besonderes Augenmerk soll dabei dem Einfluss gelten, den die Schrift auf die Diskussion über den ‚guten‘,‚gerechten‘  und ‚christlichen‘ Arzt ausgeübt hat. Das Forschungsprojekt verspricht eine umfassende Neubewertung der Geschichte der Medizinethik zwischen Mittelalter und Renaissance. Da die Rezeption von Zerbis Schrift bis heute kaum ins Bewusstsein der Spezialisten gedrungen ist, trägt das Projekt dazu bei, einen Aspekt medizinethischer Selbstvergessenheit der Moderne historisch begründet offen zu legen.